SANS TITRE / CHAOTIC ORDER – A BLINK OF AN EYE – Nadia Beugré, Renate Graziadei

22. Mai 2018 | 20:00 Uhr | Theater Bremen, Kleines Haus

23. Mai 2018 | 20:00 Uhr | Theater Bremen, Kleines Haus

17. Mai 2018 | 19:30 Uhr | Festival Tanz! Heilbronn (UA)
26. Mai 2018 | 19:30 Uhr | 27. Mai 2018, 18:00 Uhr, Nationaltheater Mannheim, NTM Tanzhaus Käfertal
THE CHOREONAUTS: SANS TITRE / CHAOTIC ORDER – A BLINK OF AN EYE
Nadia Beugré, Renate Graziadei / ASSOCIATION TRANSIT Abidjan, Côte d’Ivoire

Nadia Beugré macht in SANS TITRE die Essenz ihres energetisch-explosiven choreografischen Schaffens zum Thema: Tanz als ästhetisches Mittel der Selbstbehauptung. Basierend auf Interviews mit Jugendlichen aus der Millionenstadt Abidjan, setzt ihr Stück der wachsenden Perspektivlosigkeit und den überkommenen, ungerechten Bildungsstrukturen ein Plädoyer für individuelle Entfaltungsfreiheit entgegen. Was sind zukunftsfähige Wege, Altes weiterzugeben und zu Entwicklungen von Neuem zu befähigen?

„Tanzen ist Lebenseinstellung, Erproben, Teilen“, bestätigt Renate Graziadei die gemeinsame Haltung und befragt in hochpräziser Bewegungskunst die Gestaltungsspielräume der Einzelnen: „Wenn wir in totaler Ordnung leben, kann sich nichts verändern, wenn wir im totalen Chaos leben, gibt es keinen Halt.“ Für CHAOTIC ORDER – A BLINK OF AN EYE balanciert sie mit den vier ivorischen Tänzer_innen auf jenem schmalen Grat, wo jeder Impuls, jede Entscheidung das Geschehen in die eine oder andere Richtung verschieben kann. Dabei trifft ihre choreografische Aufmerksamkeit für kleinste Momente auf die expressiven Tanz- und Körpersprachen des Ensembles – und die Wechselwirkungen werden zu vielfach lesbaren sinnlichen Ereignissen.

SANS TITRE / CHAOTIC ORDER – A BLINK OF AN EYE ist die Gegenüberstellung zweier kontrastreich profilierter choreografischer Handschriften. Nadia Beugré verhandelt konkrete Rebellionen mit großem Humor in performativen Bildern. Renate Graziadei destilliert aus gesellschaftlichen Beobachtungen fein fragmentierte kinästhetische Tableaus. Als „Choreonautin“ erstmals in Abidjan, verbindet ihr Stück Aspekte aus eigener Wahrnehmung mit Inspirationen aus dem Austausch mit den Gastgeber_innen.

Publikumsgespräch im Anschluss an die Vorstellung am 23. Mai.

CHOREOGRAFIE Nadia Beugré, Renate Graziadei TANZ Djedje Eric Gbadié, Binta Tebla Yvonne N’da, Eloi Hortence N’da, Jean-Luc Okou KOMPOSITION Manou Gallo
PRODUKTION steptext dance project in Koproduktion mit Ruhrfestspiele Recklinghausen, Tanz! Heilbronn, Theater Bremen und Hessisches Staatsballett im Rahmen der Tanzplattform Rhein-Main.

NADIA BEUGRÉ, geboren 1981 in Abidjan, erhielt ihre Ausbildung in traditionellen Tanzformen in ihrer Heimatstadt. Bevor sie dort 1997 Gründungsmitglied der renommierten Compagnie Tché-Tché war, studierte sie Choreografie und zeitgenössischen Tanz an der École des Sables und bei Mathilde Monnier. In Stücken wie zuletzt „Legacy“ und in teils installativen Performances wie „Quartiers Libres“ verarbeitet sie brisante politische Themen aus ihrem Umfeld zu oft feministisch orientierten, international anerkannten Produktionen. Sie kollaborierte u.a. mit Seydou Boro, Burkina Faso, und Alain Buffard, Frankreich, und gastierte 2014 beim Festival d’Avignon. Künstlerisch wie auch tatkräftig verfolgt sie ihr Ziel, der jungen Generation der Côte d‘Ivoire Perspektiven zu öffnen: 2016 gründete sie mit ASSOCIATION TRANSIT Abidjan die erste dortige Professionalisierungsplattform für Tänzer_innen.

RENATE GRAZIADEI, geboren in Österreich, gründete 1994 mit Arthur Stäldi das Kollektiv laborgras, das sie bis heute mit ihm leitet und das 2015 den Kunstpreis Berlin in der Sparte Darstellende Künste erhielt. Im Studio vor Ort in Kreuzberg, einem Produktions-, Recherche- und Präsentationszentrum zeitgenössischen Tanzes, realisiert sie eigene Stücke und internationale Kooperationsprojekte. Für sie ist Tanz ein Medium, die innere Logik von Bewegungen zu ergründen, choreografisch von der Mikroebene physischer Artikulationen auszugehen. Als Tänzerin ausgebildet in der Schweiz und New York, engagiert u.a. bei Nina Wiener, Rui Horta, S.O.A.P. Dance Theatre, COAX und Sasha Waltz & Guests, mit mehreren Preisen ausgezeichnet und langjährig im In- und Ausland als Dozentin tätig, ist ihr Schaffen ebenso weit vernetzt, wie offen für neue Inspirationen.


 

In SANS TITRE, Nadia Beugré turns the essence of her energetically explosive choreographic work into a theme: dance as an aesthetic means of self-empowerment. Based on interviews with young people from the mega city Abidjan, her piece counters the lacking perspectives and the outdated, unjust educational structures with a plea for the personal freedom of development. What are sustainable strategies to pass on the old and to enable for something new? “Dancing is an outlook on life, it is constant trying and sharing“, Renate Graziadei confirms. In her highly precise movement art, she enquires on the individual creative scopes: „If we live in total order, nothing can change, if we live in total chaos, there is no foothold.“ In CHAOTIC ORDER – A BLINK OF AN EYE, her choreographic attention for the smallest moments meets the expressive dance and body language of the Ivorian ensemble – and each impulse and decision shifts the interactions in one direction or another.

SANS TITRE / CHAOTIC ORDER – A BLINK OF AN EYE is the juxtaposition of two contrasting choreographic styles. Beugré, co-founder of the globally renowned Ivorian Compagnie Tché-Tché and creator of many famous politically strong productions such as lately „Legacy“, finds sharp, humorous, performative pictures for concrete rebellions. Graziadei distills finely fragmentized kinesthetic tableaux from social observations. Being co-director of laborgras, a prize winning international dance production, research and presentation center in Berlin, she fathoms the inner logic of physical articulations. As a „choreonaut“ for the first time in Abidjan, her piece includes aspects of her own perception and inspirations from the exchange with the hosts.