IN-BETWEEN / DIGGING IN THE NIGHT – Phumlani Nyanga, Helge Letonja

26. Mai 2018 | 20:00 Uhr | Schwankhalle Bremen

27. Mai 2018 | 20:00 Uhr | Schwankhalle Bremen

15.-17. Mai 2018 | 20:00 Uhr | Ruhrfestspiele Recklinghausen (UA)
20. Mai 2018 | 19:30 Uhr | 21. Mai 2018 | 18:00 Uhr | Nationaltheater Mannheim, NTM Tanzhaus Käfertal
IN-BETWEEN / DIGGING IN THE NIGHT
Phumlani Nyanga, Helge Letonja / Dance Forum Johannesburg, Südafrika

Wie reagieren Menschen in Südafrika, einem Land extremer gesellschaftlicher Kontraste, auf das rasante Tempo des globalen Wandels? Was kostet sie der enorme Veränderungsdruck? Aus ihren unterschiedlichen Perspektiven blicken die beiden Choreografen auf die sozialen Umbrüche und suchen nach Zwischenräumen und Nischen der Poesie. Mit IN-BETWEEN fokussiert Phumlani Nyanga das Gefühl, inmitten der Verwerfungen des exzessiven Wirtschaftswachstums von äußeren Zwängen getrieben und in materiellen Bedürfnissen gefangen zu sein: Wo ist Zeit für das Wesentliche, ein Innehalten, für Begegnungen? Ist vielleicht Langsamkeit ein zukunftsweisendes Konzept? Dabei vertraut er mit seiner eindrücklichen, auf dem südafrikanischen Festival Dance Umbrella prämierten Tanzkunst auf choreografische und inhaltliche Fortentwicklung: „Diese Arbeit ist ein Prozess des Erinnerungsaustausches; sie fragt nach der Zeit, die durch die Konflikte der menschlichen Spezies verloren gegangen ist.“

Helge Letonja, der in den letzten Jahren mit zahlreichen Künstler_innen des afrikanischen Kontinents kollaborierte, kreiert mit seinen international ausgezeichneten Arbeiten vibrierende Reflexionen gesellschaftlicher Zustände. Für DIGGING IN THE NIGHT verschränkt er Nyangas Impulse mit Anklängen aus verschütteten Sehnsuchtswelten und persönlichen Eindrücken: „Im Hotspot von Johannesburg, dort, wo einst die Goldminenarbeiter auf glückliche Funde hofften, flanieren heute lässige „Black Dandys“, Hipsters und Start-up-Unternehmer durch den Puls der Nacht. Die Müllsammler, die sich an offenen Feuern wärmen, zeichnen ein anderes Bild in den Himmel.“ Gemeinsam mit vier Tänzern erarbeiteten die Choreografen ihre so dynamischen wie besonnenen Stücke im Ebhudlweni Arts Centre in Mpumalanga, einem Zentrum, das sich nachhaltigen Tanzkunst-, Ökologie- und Bildungsprojekten verschriebenen hat.

Publikumsgespräch im Anschluss an die Vorstellung am 26. Mai.

KONZEPT / CHOREOGRAFIE Phumlani Nyanga & Helge Letonja CHOREOGRAFISCHE ASSISTENZ Thabo Kobeli MUSIK / KOMPOSITION/COLLAGE Teboho Letele, Matthew Sabela TANZ Steven Chauke, Thabo Kobeli, Eugene Mashiane, Shawn Mothupi KOSTÜM Helge Letonja
PRODUKTION steptext dance project in Koproduktion mit Ruhrfestspiele Recklinghausen, Tanz! Heilbronn, Theater Bremen.

PHUMLANI NYANGA, in East London, Südafrika geboren, als Tänzer in der The Guild Dance Company ausgebildet, arbeitete bis 2017 im Ensemble und als Probendirektor des Johannesburger Vuyani Dance Theatre. Von dieser Zusammenarbeit, während der er u.a. in Europa, Asien, den USA und Afrika tourte, ist seine choreografische Arbeit ebenso inspiriert, wie von der Herausforderung, traditionelle und zeitgenössische afrikanische Tanzformen zu kombinieren. 2010 wurde er mit dem Pick of the Stepping Stones Award des Dance Umbrella, Südafrikas bedeutendstem Festival, ausgezeichnet. Anschließend profilierte er sich in Programmen wie etwa der Spring Loaded Plattform Johannesburg. 2017 präsentierte er „Beyond“ beim Dance Umbrella und wurde von dort ausgewählt, eine weitere Uraufführung zu kreieren. Wie seine Managerin Georgina Thomson, Leiterin des Dance Forum Johannesburg, engagiert er sich in seinem Land für aktuelle Tanzkunst.

HELGE LETONJA, geboren in Österreich, ausgebildet in klassischem und zeitgenössischem Tanz, tanzte u. a. an der Grazer Oper, bei Jan Fabre und bei Susanne Linke am Tanztheater Bremen. 1996 gründete er steptext dance project und etablierte es 2003 in der Schwankhalle. Bislang schuf er über 40 Stücke, oft in transkulturellen Kooperationen, die weltweit präsentiert werden. Seit 2011 rücken zunehmend soziale Fragen ins Zentrum seiner Tanzkunst. In seiner eindrücklich sinnlichen Ästhetik entwirft er vitale Reibungsflächen gesellschaftlicher Prozesse. Er choreografiert für renommierte Tanzkompanien in Kanada, Österreich und der Schweiz sowie für Opernproduktionen u.a. in Salzburg, Dresden, Berlin und Tokio. Mit steptext nominiert für den BKM-Preis Kulturelle Bildung 2013 und den george tabori preis 2014 sowie ausgezeichnet mit dem Bremer Diversity Preis 2016, setzt er sich im Vorstand des Dachverbands Tanz Deutschland für die Anliegen des Tanzes ein.


 

How do people in South Africa, a country of extreme social contrasts, react to the rapid pace of global change? How do they deal with the enormous pressure to adapt? From their different angles of perception, the two choreographers look at the upheavals and search for poetic niches. With IN-BETWEEN, Phumlani Nyanga focuses on the feeling of being driven by external constraints and trapped in material needs amidst the excessive economic growth: Where are interspaces for the essential, for a pause and encounters? Is slowness perhaps a pioneering concept for the future? With his impressive, Dance Umbrella award-winning dance art, which is inspired by traditional and contemporary elements and by his long-term collaboration with the Vuyani Dance Theatre Johannesburg, he relies on choreographic evolutions: „This work is a process of sharing memories, regarding the time that was lost due to the conflicts of the human species“.

Helge Letonja, who has created many of his worldwide presented, internationally acclaimed dance productions with artists of the African continent, aims to vibrant artistic reflections on social conditions. For DIGGING IN THE NIGHT, he interweaves Nyangas‘ impulses with reminiscences of submerged longings and with personal impressions: „In the Johannesburg hotspot, where gold miners once dug for nuggets, nowadays nonchalant „black dandies“, hipsters and start-up entrepreneurs stroll through the pulse of the night. The garbage collectors warming up at open fires draw a different picture into the sky.“ Together with four dancers, the choreographers created their dynamic and thoughtful pieces at the Ebhudwleni Arts Centre in Mpumalanga, a place for sustainable projects in dance, ecology and education.