THE CHOREONAUTS – AFRO-EUROPEAN NAVIGATIONS IN DANCE


THE CHOREONAUTS – AFRO-EUROPEAN NAVIGATIONS IN DANCE

Produziert von: steptext dance project in Koproduktion mit Ruhrfestspiele Recklinghausen, Tanz! Heilbronn, Theater Bremen.

In Kooperation mit Dance Forum Johannesburg (Südafrika), Forgotten Angle Dance Theatre/Ebhudlweni Arts Centre Mpumalanga (Südafrika), Hessisches Staatsballett im Rahmen der Tanzplattform Rhein-Main, Nationaltheater Mannheim Tanz, QDanceCenter Lagos (Nigeria), Sophiensaele Berlin, Theater im Pfalzbau Ludwigshafen und ASSOCIATION TRANSIT Abidjan (Côte d’Ivoire).

Kooperationspartner:



Für die erste Ausgabe von AFRICTIONS im Jahr 2014 vergaben steptext dance project und seine Partner Produktionsaufträge an fünf aufstrebende Choreograf_innen vom afrikanischen Kontinent. Bestärkt durch die künstlerischen Ergebnisse und die Resonanz haben wir diesen Ansatz weiterentwickelt. Mit THE CHOREONAUTS – AFRO-EUROPEAN NAVIGATIONS IN DANCE laden wir in diesem Jahr Nadia Beugré, Phumlani Nyanga, Qudus Onikeku, Renate Graziadei, Helge Letonja und Sebastian Matthias ein, sich künstlerisch zu begegnen. Die afrikanischen Choreograf_innen arbeiten mit Tänzer_innen und an den Produktionsorten ihrer Heimatländer. Damit zeichnen sie das Projekt für ihre aus Deutschland anreisenden Tandempartner_innen vor. Diese formulieren in Zusammenarbeit mit dem Ensemble des Partners, herausgefordert vom dialogischen Prozess, eigene Choreografien. Die entstehenden „afro-europäischen Navigationen“ werden in Abidjan, Bremen, Berlin, Darmstadt, Heilbronn, Johannesburg, Lagos, Ludwigshafen und Mannheim präsentiert.

Die ausgewählten CHOREONAUTS vom afrikanischen Kontinent treten durch ihre Kunst und ihr Engagement hervor, aber auch durch ihr Engagement. Das Ebhudlweni Arts Centre Mpumalanga in Südafrika, in dem Phumlani Nyanga choreografiert, produziert seinen eigenen Strom aus erneuerbaren Energien, bringt Innovation und Tanzkunst in eine ländliche Gegend, fernab der Städte mit kulturellem Angebot. Nadia Beugré kämpft in der Côte d‘Ivoire für eine erste Ausbildungsmöglichkeit für Tänzer_innen überhaupt und damit auch um die gesellschaftliche Selbstbehauptung einer jungen Künstler_innengeneration. Qudus Onikeku hat in Nigeria unter komplizierten Bedingungen einen Ort aufgebaut, an dem sich Choreograf_innen aus der ganzen Welt begegnen. All diese Menschen, ihre Teams, Aktivitäten, Strukturen und Umfelder werden zum fruchtbaren Boden umfassender interkontinentaler Dialoge. In Bremen bilden die Produktionen der CHOREONAUTS das Herzstück des Festivals AFRICTIONS.

Während ich diesen Text verfasse, stecken wir mit steptext noch mitten in den komplexen Vorbereitungen des Projekts. Gemeinsamer Ansporn ist es, Begegnungsräume zu schaffen und uns als global citizen zusammenzuschließen – für eine gemeinsame Zukunft, lokal wie global. Gelingt es uns, die richtigen Personen und Anliegen zusammenzubringen, springt am Ende der Funke auf uns alle über. Wir sind gespannt auf physische Erzählungen, die uns tänzerisch ebenso wie menschlich berühren, auf intensiven Austausch und herausfordernde, kraftvolle ästhetische Positionen.

Anke Euler
Künstlerische Leitung THE CHOREONAUTS


For the first edition of AFRICTIONS in 2014, steptext dance project and its partners commissioned productions from five emerging African choreographers. Encouraged by the artistic results and the positive response, we further developed this approach. This year, we have invited Nadia Beugré, Phumlani Nyanga, Qudus Onikeku, Renate Graziadei, Helge Letonja, and Sebastian Matthias to an artistic encounter in the frame of THE CHOREONAUTS – AFRO-EUROPEAN NAVIGATIONS IN DANCE. The choreographers work with dancers at the production venues in their homelands. They thus give initial project guidelines for their tandem partners travelling there from Germany, who will then formulate their own choreographies in collaboration with the partner company and engage in a dialogical process. The resulting “Afro-European Navigations” will be presented in Abidjan, Bremen, Berlin, Darmstadt, Heilbronn, Johannesburg, Lagos, Ludwigshafen, and Mannheim.

The selected CHOREONAUTS from Africa distinguish themselves through their art and great commitment. The Ebhudlweni Arts Centre Mpumalanga in South Africa, where Phumlani Nyanga is active as a choreographer, produces its own power from renewable energy sources and brings innovation and dance art to a rural region far away from the cultural offers of cities. In Côte d’Ivoire, Nadia Beugré fights for the first-ever training opportunity for dancers, and thus for the self-assertion of a young generation of artists in society. Under complicated conditions, Qudus Onikeku has established a location in Nigeria where choreographers from all over the world can meet. All these people, their teams, activities, structures, and contexts become a fertile ground for extensive intercontinental dialogues. The productions of the CHOREONAUTS form the core of the AFRICTIONS festival in Bremen.

While writing this text, we at steptext are still in the middle of the complex preparations for the project. What motivates us all is to create spaces of encounter and to meet as global citizens—committed to a common future, both locally and globally. If we succeed in bringing the right persons and issues together, the sparks will ultimately fly with everyone. We are looking forward to physical stories told in dance that touch us as humans, to an intensive exchange and to encounters with challenging and powerful aesthetic positions.

Anke Euler
Artistic Director THE CHOREONAUTS

18. & 19. Mai 2018 | 20:00 Uhr |  Schwankhalle Bremen (UA)
23. Mai 2018 | 19:30 Uhr | Theater im Pfalzbau Ludwigshafen
30. & 31 Mai 2018 |  20:00 Uhr |  Sophiensaele Berlin
THE CHOREONAUTS:
YUROPA
Qudus Onikeku, Sebastian Matthias / QDanceCenter Lagos, Nigeria

Mit YUROPA, gefügt aus „Yoruba“, dem Namen einer überwiegend in Nigeria beheimateten Volksgruppe, Sprache und Kultur, und „Europa“, trägt die Kollaboration von Qudus Onikeku und Sebastian Matthias den Entstehungskontext sowie das gemeinsame Anliegen im Titel: Transfers, (Unter)-Wanderungen und Übergänge als Fortsetzung eines andauernden Dialogs kultureller Verflechtung. In Lagos, einer der größten Metropolregionen der Welt, und in Bremen verweben die beiden Choreografen ihre Arbeit mit den Tänzer_innen des nigerianischen QDanceCenter zu einem transkulturellen Groove.

Onikeku verbindet Elemente aus der Akrobatik und der Kultur der Yoruba mit zeitgenössischem Tanz. YUROPA verortet er zwischen magischem Realismus, einer Odyssee und deren abrupter Unterbrechung. Was ist eine Reise in Zeiten humanitärer und existenzieller Krisen? Können wir an eine Zeit anknüpfen, in der es möglich war, sich frei über Grenzen hinweg zu bewegen, um zu teilen und zu lernen? Vier Körper in Transit, in Transition, in Trance, skizzieren ein Miteinander: In einem Freiraum, der an die Vergangenheit anschließt, ohne ihn mit der Bürde der Erinnerung zu füllen. In dem nichts sicher gelingt und alles improvisiert werden muss.

Von hier aus erkundet Matthias mit dem Ensemble, wie sich soziale Situationen organisieren und physisch einschreiben, und wie es ist, sich in unbekannten Umgebungen auf sie einzulassen. Mit choreografischen Mitteln sucht er nach der Möglichkeit, performative Situationen in Akten der Überzeichnung, des Widerstands oder der Fantasie zu verformen. Wenigstens im Theater können wir entscheiden, dass Dinge nicht so bleiben, wie sie beginnen.

Aus Elementen kultureller Erzählungen, ihrem Groove und neuen Ritualen entspinnt sich zwischen Tänzer_innen und Publikum in YUROPA ein eigener Mythos als kollektive Vision.

Publikumsgespräch im Anschluss an die Vorstellung am 19. Mai.

KONZEPT, CHOREOGRAFIE Qudus Onikeku, Sebastian Matthias TANZ Deborah Aiyegbeni, Chibueze Hermes Iyele, Busayo Olowu MUSIK Olatunde Obajeun
PRODUKTION steptext dance project in Koproduktion mit Ruhrfestspiele Recklinghausen, Tanz! Heilbronn, Theater Bremen.

QUDUS ONIKEKU wurde 1984 in Lagos, Nigeria, geboren. Seine Tanzkunst wurzelt in der traditionellen Yoruba-Philosophie. Sein Interesse gilt dem Acro-Dance, den er virtuos mit zeitgenössischem Tanz, Einflüssen aus Hip-Hop, Capoeira und Tai Chi verbindet. Onikeku beschäftigt sich intensiv mit politischen wie auch ästhetischen Fragen des heutigen Afrika. Nach seinem Studium in Tanz und Akrobatik am Centre National des Arts du Cirque in Châlons-en-Champagne tourte er mit der Alajotas Dance Company, Ibadan, und arbeitete u.a. mit Heddy Maalem, Boris Charmatz und Sidi Larbi Cherkaoui. 2004 kreierte er sein erstes Solo. Sein jüngstes Stück „We Almost Forgot“ (2016) mit 7 Tanzkünstler_innen unterschiedlicher Herkünfte zeigte er in Berlin, Lagos und Abuja. Er ist Gründer und Künstlerischer Leiter von YK Projects / QDanceCenter, einer in Paris und Lagos agierenden Produktions- und Präsentationsplattform.

SEBASTIAN MATTHIAS studierte Tanz an der Juilliard School in NYC und Tanzwissenschaft M.A. an der FU Berlin. In seiner choreografischen Arbeit beschäftigt er sich mit modularen Improvisationssystemen, die er mit seinem Tänzerteam u.a. am tanzhaus nrw und bei Kampnagel, sowie am Theater Freiburg und beim Cullberg Ballett entwickelt. Mit Formaten wie etwa seiner groove space Performanceserie in Berlin, Zürich, Basel, Jakarta, Düsseldorf und Tokio schafft er partizipative Aufführungssituationen, die immer sowohl ein physisches Erlebnis auf höchstem tänzerischen Niveau sind, als auch ein von Tanzenden und Zuschauenden geteilter künstlerischer Forschungsprozess. Von 2012 – 2015 vertiefte er seinen Ansatz mit einem Doktoranden-Stipendium am Graduiertenkolleg „Versammlung und Teilhabe“ der HafenCity Universität Hamburg. Bereits zwei Mal war er auf der Tanzplattform Deutschland vertreten.


With their dance piece’s title YUROPA – a combination of „Yoruba“, a population group, language and culture of Nigeria, and „Europe“ – Qudus Onikeku and Sebastian Matthias refer as well to the context of its creation, as to their shared choreographic interests: traveling, transfers, interactions and transitions as continuations of the ongoing intertwining dialogue of cultures. Together with the dancers of the QDanceCenter Lagos, they develop a captivating transcultural groove.

Onikeku, who danced a.o. with choreographers such as Heddy Maalem, Boris Charmatz and with Sidi Larbi Cherkaoui, and presents his own productions since 2004 in Nigeria, Africa, Europe and globally, links contemporary dance, acrobatics, hip-hop, capoeira and tai chi with elements of the traditional Yoruba philosophy. He locates YUROPA between magical realism, an odyssey and its violent disruption. What is a journey in times of humanitarian and existential crises? Can we still relate to times, where boundaries were freely crossed in order to share and learn? Four bodies in transit, in trance, sketch a coexistence in an unstable, improvised space, which is connected to the past but not filled with the burden of memory.

Beginning from there, Matthias, whose works based on participatory approaches and modular improvisation systems tour internationally, explores aspects of how social situations organize with the ensemble. How do they physically inscribe? How much impact does an unknown environment have on the individual involvement? Using choreographic means, he investigates opportunities of transforming performative situations by acts of overdrawing, resistance or fantasy. At least in the theatre, we can decide that things don’t stay the way they start.

Nourished by elements of cultural narratives and new rituals, and evolving between dancers and spectators, YUROPA forms its own myth as a collective vision.

 22. Mai 2018 | 20:00 Uhr | Theater Bremen, Kleines Haus
 23. Mai 2018 | 20:00 Uhr | Theater Bremen, Kleines Haus
17. Mai 2018 | 19:30 Uhr | Festival Tanz! Heilbronn (UA)
26. Mai 2018 | 19:30 Uhr | 27. Mai 2018, 18:00 Uhr, Nationaltheater Mannheim, NTM Tanzhaus Käfertal
THE CHOREONAUTS: SANS TITRE / CHAOTIC ORDER – A BLINK OF AN EYE
Nadia Beugré, Renate Graziadei / ASSOCIATION TRANSIT, Abidjan, Côte d’Ivoire

Nadia Beugré macht in SANS TITRE die Essenz ihres energetisch-explosiven choreografischen Schaffens zum Thema: Tanz als ästhetisches Mittel der Selbstbehauptung. Basierend auf Interviews mit Jugendlichen aus der Millionenstadt Abidjan, setzt ihr Stück der wachsenden Perspektivlosigkeit und den überkommenen, ungerechten Bildungsstrukturen ein Plädoyer für individuelle Entfaltungsfreiheit entgegen. Was sind zukunftsfähige Wege, Altes weiterzugeben und zu Entwicklungen von Neuem zu befähigen?

„Tanzen ist Lebenseinstellung, Erproben, Teilen“, bestätigt Renate Graziadei die gemeinsame Haltung und befragt in hochpräziser Bewegungskunst die Gestaltungsspielräume der Einzelnen: „Wenn wir in totaler Ordnung leben, kann sich nichts verändern, wenn wir im totalen Chaos leben, gibt es keinen Halt.“ Für CHAOTIC ORDER – A BLINK OF AN EYE balanciert sie mit den vier ivorischen Tänzer_innen auf jenem schmalen Grat, wo jeder Impuls, jede Entscheidung das Geschehen in die eine oder andere Richtung verschieben kann. Dabei trifft ihre choreografische Aufmerksamkeit für kleinste Momente auf die expressiven Tanz- und Körpersprachen des Ensembles – und die Wechselwirkungen werden zu vielfach lesbaren sinnlichen Ereignissen.

SANS TITRE / CHAOTIC ORDER – A BLINK OF AN EYE ist die Gegenüberstellung zweier kontrastreich profilierter choreografischer Handschriften. Nadia Beugré verhandelt konkrete Rebellionen mit großem Humor in performativen Bildern. Renate Graziadei destilliert aus gesellschaftlichen Beobachtungen fein fragmentierte kinästhetische Tableaus. Als „Choreonautin“ erstmals in Abidjan, verbindet ihr Stück Aspekte aus eigener Wahrnehmung mit Inspirationen aus dem Austausch mit den Gastgeber_innen.

Publikumsgespräch im Anschluss an die Vorstellung am 23. Mai.

CHOREOGRAFIE Nadia Beugré, Renate Graziadei TANZ Djedje Eric Gbadié, Binta Tebla Yvonne N’da, Eloi Hortence N’da, Jean-Luc Okou KOMPOSITION Manou Gallo
PRODUKTION steptext dance project in Koproduktion mit Ruhrfestspiele Recklinghausen, Tanz! Heilbronn, Theater Bremen und Hessisches Staatsballett im Rahmen der Tanzplattform Rhein-Main.

NADIA BEUGRÉ, geboren 1981 in Abidjan, erhielt ihre Ausbildung in traditionellen Tanzformen in ihrer Heimatstadt. Bevor sie dort 1997 Gründungsmitglied der renommierten Compagnie Tché-Tché war, studierte sie Choreografie und zeitgenössischen Tanz an der École des Sables und bei Mathilde Monnier. In Stücken wie zuletzt „Legacy“ und in teils installativen Performances wie „Quartiers Libres“ verarbeitet sie brisante politische Themen aus ihrem Umfeld zu oft feministisch orientierten, international anerkannten Produktionen. Sie kollaborierte u.a. mit Seydou Boro, Burkina Faso, und Alain Buffard, Frankreich, und gastierte 2014 beim Festival d’Avignon. Künstlerisch wie auch tatkräftig verfolgt sie ihr Ziel, der jungen Generation der Côte d‘Ivoire Perspektiven zu öffnen: 2016 gründete sie mit ASSOCIATION TRANSIT Abidjan die erste dortige Professionalisierungsplattform für Tänzer_innen.

RENATE GRAZIADEI, geboren in Österreich, gründete 1994 mit Arthur Stäldi das Kollektiv laborgras, das sie bis heute mit ihm leitet und das 2015 den Kunstpreis Berlin in der Sparte Darstellende Künste erhielt. Im Studio vor Ort in Kreuzberg, einem Produktions-, Recherche- und Präsentationszentrum zeitgenössischen Tanzes, realisiert sie eigene Stücke und internationale Kooperationsprojekte. Für sie ist Tanz ein Medium, die innere Logik von Bewegungen zu ergründen, choreografisch von der Mikroebene physischer Artikulationen auszugehen. Als Tänzerin ausgebildet in der Schweiz und New York, engagiert u.a. bei Nina Wiener, Rui Horta, S.O.A.P. Dance Theatre, COAX und Sasha Waltz & Guests, mit mehreren Preisen ausgezeichnet und langjährig im In- und Ausland als Dozentin tätig, ist ihr Schaffen ebenso weit vernetzt, wie offen für neue Inspirationen.


In SANS TITRE, Nadia Beugré turns the essence of her energetically explosive choreographic work into a theme: dance as an aesthetic means of self-empowerment. Based on interviews with young people from the mega city Abidjan, her piece counters the lacking perspectives and the outdated, unjust educational structures with a plea for the personal freedom of development. What are sustainable strategies to pass on the old and to enable for something new? “Dancing is an outlook on life, it is constant trying and sharing“, Renate Graziadei confirms. In her highly precise movement art, she enquires on the individual creative scopes: „If we live in total order, nothing can change, if we live in total chaos, there is no foothold.“ In CHAOTIC ORDER – A BLINK OF AN EYE, her choreographic attention for the smallest moments meets the expressive dance and body language of the Ivorian ensemble – and each impulse and decision shifts the interactions in one direction or another.

SANS TITRE / CHAOTIC ORDER – A BLINK OF AN EYE is the juxtaposition of two contrasting choreographic styles. Beugré, co-founder of the globally renowned Ivorian Compagnie Tché-Tché and creator of many famous politically strong productions such as lately „Legacy“, finds sharp, humorous, performative pictures for concrete rebellions. Graziadei distills finely fragmentized kinesthetic tableaux from social observations. Being co-director of laborgras, a prize winning international dance production, research and presentation center in Berlin, she fathoms the inner logic of physical articulations. As a „choreonaut“ for the first time in Abidjan, her piece includes aspects of her own perception and inspirations from the exchange with the hosts.

  26. & 27. Mai 2018 | 20:00 Uhr | Schwankhalle Bremen
15.-17. Mai 2018 | 20:00 Uhr | Ruhrfestspiele Recklinghausen (UA)
20. Mai 2018 | 19:30 Uhr | 21. Mai 2018 | 18:00 Uhr | Nationaltheater Mannheim, NTM Tanzhaus Käfertal
IN-BETWEEN / DIGGING IN THE NIGHT
Phumlani Nyanga, Helge Letonja / Dance Forum Johannesburg, Südafrika

Wie reagieren Menschen in Südafrika, einem Land extremer gesellschaftlicher Kontraste, auf das rasante Tempo des globalen Wandels? Was kostet sie der enorme Veränderungsdruck? Aus ihren unterschiedlichen Perspektiven blicken die beiden Choreografen auf die sozialen Umbrüche und suchen nach Zwischenräumen und Nischen der Poesie. Mit IN-BETWEEN fokussiert Phumlani Nyanga das Gefühl, inmitten der Verwerfungen des exzessiven Wirtschaftswachstums von äußeren Zwängen getrieben und in materiellen Bedürfnissen gefangen zu sein: Wo ist Zeit für das Wesentliche, ein Innehalten, für Begegnungen? Ist vielleicht Langsamkeit ein zukunftsweisendes Konzept? Dabei vertraut er mit seiner eindrücklichen, auf dem südafrikanischen Festival Dance Umbrella prämierten Tanzkunst auf choreografische und inhaltliche Fortentwicklung: „Diese Arbeit ist ein Prozess des Erinnerungsaustausches; sie fragt nach der Zeit, die durch die Konflikte der menschlichen Spezies verloren gegangen ist.“

Helge Letonja, der in den letzten Jahren mit zahlreichen Künstler_innen des afrikanischen Kontinents kollaborierte, kreiert mit seinen international ausgezeichneten Arbeiten vibrierende Reflexionen gesellschaftlicher Zustände. Für DIGGING IN THE NIGHT verschränkt er Nyangas Impulse mit Anklängen aus verschütteten Sehnsuchtswelten und persönlichen Eindrücken: „Im Hotspot von Johannesburg, dort, wo einst die Goldminenarbeiter auf glückliche Funde hofften, flanieren heute lässige „Black Dandys“, Hipsters und Start-up-Unternehmer durch den Puls der Nacht. Die Müllsammler, die sich an offenen Feuern wärmen, zeichnen ein anderes Bild in den Himmel.“ Gemeinsam mit vier Tänzern erarbeiteten die Choreografen ihre so dynamischen wie besonnenen Stücke im Ebhudlweni Arts Centre in Mpumalanga, einem Zentrum, das sich nachhaltigen Tanzkunst-, Ökologie- und Bildungsprojekten verschriebenen hat.

Publikumsgespräch im Anschluss an die Vorstellung am 26. Mai.

KONZEPT / CHOREOGRAFIE Phumlani Nyanga & Helge Letonja CHOREOGRAFISCHE ASSISTENZ Thabo Kobeli MUSIK / KOMPOSITION/COLLAGE Teboho Letele, Matthew Sabela TANZ Steven Chauke, Thabo Kobeli, Eugene Mashiane, Shawn Mothupi KOSTÜM Helge Letonja
PRODUKTION steptext dance project in Koproduktion mit Ruhrfestspiele Recklinghausen, Tanz! Heilbronn, Theater Bremen.

PHUMLANI NYANGA, in East London, Südafrika geboren, als Tänzer in der The Guild Dance Company ausgebildet, arbeitete bis 2017 im Ensemble und als Probendirektor des Johannesburger Vuyani Dance Theatre. Von dieser Zusammenarbeit, während der er u.a. in Europa, Asien, den USA und Afrika tourte, ist seine choreografische Arbeit ebenso inspiriert, wie von der Herausforderung, traditionelle und zeitgenössische afrikanische Tanzformen zu kombinieren. 2010 wurde er mit dem Pick of the Stepping Stones Award des Dance Umbrella, Südafrikas bedeutendstem Festival, ausgezeichnet. Anschließend profilierte er sich in Programmen wie etwa der Spring Loaded Plattform Johannesburg. 2017 präsentierte er „Beyond“ beim Dance Umbrella und wurde von dort ausgewählt, eine weitere Uraufführung zu kreieren. Wie seine Managerin Georgina Thomson, Leiterin des Dance Forum Johannesburg, engagiert er sich in seinem Land für aktuelle Tanzkunst.

HELGE LETONJA, geboren in Österreich, ausgebildet in klassischem und zeitgenössischem Tanz, tanzte u. a. an der Grazer Oper, bei Jan Fabre und bei Susanne Linke am Tanztheater Bremen. 1996 gründete er steptext dance project und etablierte es 2003 in der Schwankhalle. Bislang schuf er über 40 Stücke, oft in transkulturellen Kooperationen, die weltweit präsentiert werden. Seit 2011 rücken zunehmend soziale Fragen ins Zentrum seiner Tanzkunst. In seiner eindrücklich sinnlichen Ästhetik entwirft er vitale Reibungsflächen gesellschaftlicher Prozesse. Er choreografiert für renommierte Tanzkompanien in Kanada, Österreich und der Schweiz sowie für Opernproduktionen u.a. in Salzburg, Dresden, Berlin und Tokio. Mit steptext nominiert für den BKM-Preis Kulturelle Bildung 2013 und den george tabori preis 2014 sowie ausgezeichnet mit dem Bremer Diversity Preis 2016, setzt er sich im Vorstand des Dachverbands Tanz Deutschland für die Anliegen des Tanzes ein.


How do people in South Africa, a country of extreme social contrasts, react to the rapid pace of global change? How do they deal with the enormous pressure to adapt? From their different angles of perception, the two choreographers look at the upheavals and search for poetic niches. With IN-BETWEEN, Phumlani Nyanga focuses on the feeling of being driven by external constraints and trapped in material needs amidst the excessive economic growth: Where are interspaces for the essential, for a pause and encounters? Is slowness perhaps a pioneering concept for the future? With his impressive, Dance Umbrella award-winning dance art, which is inspired by traditional and contemporary elements and by his long-term collaboration with the Vuyani Dance Theatre Johannesburg, he relies on choreographic evolutions: „This work is a process of sharing memories, regarding the time that was lost due to the conflicts of the human species“.

Helge Letonja, who has created many of his worldwide presented, internationally acclaimed dance productions with artists of the African continent, aims to vibrant artistic reflections on social conditions. For DIGGING IN THE NIGHT, he interweaves Nyangas‘ impulses with reminiscences of submerged longings and with personal impressions: „In the Johannesburg hotspot, where gold miners once dug for nuggets, nowadays nonchalant „black dandies“, hipsters and start-up entrepreneurs stroll through the pulse of the night. The garbage collectors warming up at open fires draw a different picture into the sky.“ Together with four dancers, the choreographers created their dynamic and thoughtful pieces at the Ebhudwleni Arts Centre in Mpumalanga, a place for sustainable projects in dance, ecology and education.